Mittwoch, 3. September 2014

Einleitung

Wie beginnt man die Abenteuergeschichtes seines Lebens?
Jule Verne versetzt uns anfangs gern in etablierte Londoner Clubs, Tom Sawyer wird dabei vorgestellt, wie er von seiner Tante getadelt wird und Dichterfürst Goethe gibt uns sogar zu Beginn seines wohl berühmtesten Werkes einen Einblick in die überirdische Welt und deren Belange.
Vorab, meine Geschichte beginnt nicht so spektakulär. Wenn ich einen Anfang suchen müsste, käme ich wahrscheinlich zu dem Schluss, dass einen solchen gar nicht gibt. Stattdessen wirkten mehrere Ereignisse und Situationen, aber vor allem die vielen verschiedenen Menschen, mit denen ich die Möglichkeit bekam zu sprechen, dazu bei, dass ich dort stehe, wo ich heute stehe.
Ich glaube, dass wir, um vorwärts blicken zu können, uns zunächst grundlegende Fragen über uns selbst, unsere Herkunft und unseren Werdegangs stellen müssen. Trotz oder gerade deswegen habe ich mich dafür entschieden, den Schluss zuerst zu verraten: Heute stehe ich hier, am 06.August 2014 und halte die Bestätigung für das „L’Acrobaleno Projekt Bologna“ in den Händen. Jener Lebensgemeinschaft für körperlich und geistig behinderte Personen, die einen Ort des Zusammenlebens, Arbeitens und Genießens zu finden versuchen, hatte ich bereits vor 3 Monaten eine Mappe voll persönlicher Unterlagen zukommen lassen, allen voran mein Motivationsschreiben.

Viele Instanzen hatte diese Bewerbung durchstehen müssen, allzu oft war sie wahrscheinlich kritisch beäugt und auf Deutsch, Italienisch und Englisch kommentiert worden. Aufgrund dessen kam es eben dazu, dass ich erst am heutigen Tag den Satz „Arca Bologna will accept Max as volunteer“ lesen kann. Wenn ich die Mappe heute aufschlage, lächelt mir ein junger Mann mit schwarz gerandeter Brille und grauem Golf-Cap entgegen, der auf einem mittelgroßem Baum geklettert war und sich nun in  mehr oder weniger sicherer Sitzposition auf einer Astgabel platziert hatte. Nie hatte ich zum damaligen Zeitpunkt gedacht, diese Fotografie für eine Bewerbung zu verwenden, noch, dass ich in allzu ferner Zeit einmal statt Marathi, Italienisch sprechen würde, doch dazu später... Je länger ich die Fotografie anschaue, desto mehr stellt sich mir die Frage, ob ich immer noch derselbe Mensch bin, wie an jenem Februar-Nachmittag.

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