Sonntag, 14. September 2014

Ein romanhafter Einstieg - Unvermittelt, natürlich und mit ganz viel Herz

„Das ist es also…“
„Klingelst du bitte?“
Eine Autotür öffnet sich und wird wieder geschlossen.
Schritte sind zu hören.
„Soll ich die obere oder die untere Klingel betätigen?“
„Keine Ahnung, probier es einfach aus!“
RING. RING.
Stille.
Eine Stimme meldet sich. „Aah, Maximilien e Lena. Entrare,!“
Quietschend öffnet sich ein Tor und ich betrete zum ersten Mal das Gelände der Communita‘ „arcobaleno“ Quarto Inferiore. Der erschöpfte Opel Corsa fährt in seinen Bestimmungsort ein und platziert sich ein wenig schief in einer Parklücke.
Ein etwas beleibter Mann mit grauem Bart kommt auf uns zugeschritten und überrumpelt uns mit Fragen und Händedrücken- natürlich auf Italienisch. Nun gilt die Devise, lächeln und nicken, schließlich soll der erste Eindruck nicht von Unsicherheit und Sprachdefiziten geprägt sein. Lächelnd klopft mir Luca, jener Mann, auf die Schulter und führt uns in die Eingangshalle. Eine Bewohnerin folgt ihm, von der ich später erfahre, dass sie den Namen Natascia trägt. Jetzt muss das Gepäck warten.
Fast, als gehörten wir schon immer zu jener Lebensgemeinschaft werden wir gebeten, am Tisch einen Platz zu suchen und Sekunden später werden uns schon die Teller vollgepackt. „Just for you, we made a German meal.“, erklärt uns Ana, eine Freiwillige aus dem Westen Portugals. Ich betrachte meinen beladenen Teller. Und muss schmunzeln. Der Fisch, überbacken mit Tomate und Käse, die Kartoffeln, gebacken mit Rosmarin und das Kraut, in einer Art und Weise, wie ich es noch nie gegessen habe. Deutsche Esskultur mediterran interpretiert.
Doch mehr als dieser herzliche Empfang wird mir wohl jenes Naturphänomen  kurz darauf in Erinnerung bleiben, was mir endgültig das Gefühl gab, angekommen zu sein. Gerade als wir das Abendessen beendet hatten, sprangen plötzlich alle Bewohner auf und bewegten sich in Richtung  Fenster. Ich fragte mich, was wohl los sei und dann entdeckte ich es:
Ein Regenbogen, quer über ganz Bologna, hatte sich aufgetan und nahezu in seiner Mitte ein zweiter, in die die jeweils entgegengesetzte Richtung. Ein wenig erinnerte dieses Schauspiel an ein Zeltgerüst.

Wie wundersam dieser Moment war, wurde mir erst an jenem Abend klar, da mir einfiel, was „ARCOBALENO“, der Name der Lebensgemeinschaft, übersetzt bedeutet. Er bedeutet „Regenbogen“.

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